![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Rund um das NSG Kühkopf Die Brücke vom Parkplatz „Stockstädter Brücke“ über den Altrhein erwies sich als die höchste Erhebung der ganzen Wanderung. Nach der Brücke biegt der Weg (4) nach Westen, vorbei am Hofgut Guntershausen. Hier steht ein Zürgelbaum. Mächtige Äste sind abgeknickt, stehen trotzdem voll im Saft und es scheint, als stützten sie den Baum – eine wunderliche Gestalt. Gewaltige Baumriesen, Eichen, Ahorn und andere prägen den Wald. Durch die Erlen schimmert das Wasser des Altrheins und mehrerer Binnengewässer. Zahlreiche Gräben durchziehen die Insel; die meisten sind trocken gefallen. Riesige Bärlauchfelder bedecken den feuchten Grund. Bei der Schutzhütte bei der Reichertsinsel verließen die Wanderer den ausgewiesenen Wanderweg. Geradeaus ging es weiter über die alten Dämme, meist durch den ursprünglichen Wald und angenehm weich zu gehen. Dazwischen öffnen sich Blicke auf saftige Streuobstwiesen. Üppig wachsende Misteln hängen schwer an ihren Wirten, an Obstbäumen, Pappeln und Silberweiden. Neugierig beäugte eine Herde Kälber die Fremdlinge. Die Schutzhütte am Kälberteicher Hof bot willkommene Gelegenheit zu einem fröhlichen Picknick aus dem Rucksack. Weiter, jetzt auf dem Weg (6) quer über die Insel nach Nordwesten stießen die Wanderfreunde auf den Damm im Norden. Dahinter liegt das Europareservat „Krönkesinsel“ und die Karlswörth. Der Aussichtspunkt, eine harmonisch in die Landschaft eingefügte Holzkonstruktion öffnet ein faszinierendes Bild mit großen Röhrichtflächen und Weicholzbeständen auf den Überflutungsflächen bis hinüber zum Altrhein. Jenseits des alten Flussarmes steht die 12 m hohe Schwedensäule, 1632 auf Befehl Gustav Adolfs errichtet. Im 30jährigen Krieg habe der schwedische König mit vier Begleitern den Rhein in einem kleinen Boot befahren und nahe dem linksrheinischen Oppenheim verschanzte spanische Einheiten ausgemacht. Um mit seinen Truppen von der rechten Rheinseite über den 300 m breiten Fluss zu gelangen, ließ er die Scheunentore der örtlichen Bauern aushebeln und auf die wenigen verfügbaren Nachen montieren. Auf diese Weise setzten seine Truppen aufs andere Ufer über. Die Überraschung war perfekt, die Schweden nahmen Oppenheim im Sturm, die Spanier flohen – es soll eine der herausragenden militärischen Leistungen im Dreißigjährigen Krieg gewesen sein. Von der nächsten Aussichtsplattform kann man über die Wasserfläche eines kleinen Armes das Naturreservat Kleiner Kühkopf erkennen. Staunend beobachteten die Wanderer die vielen sich in diesen Naturparadies tummelnden Wasservögel. Ein Milan – oder war es eine Weihe – spähte nach Beute. Zahllose Frösche äußerten lauthals ihre Begeisterung über den Besuch aus Großsachsen. Wasserlilien reckten ihre goldenen Blüten der strahlenden Sonne entgegen. Im Wald liegen altersschwache, sturmgefällte Baumriesen, überwuchert und mit Zellulose verdauenden Pilzen besetzt, sind für Myriaden kleiner und kleinster Lebewesen Nahrung und Lebensraum, geben Zeugnis von der ungeheuren Lebendigkeit dieses Urwaldes. Das Fosthaus Kühkopf lud zu einer Erfrischung auf der wunderbar schattigen Terrasse und die Wandersleute folgten der Einladung gerne. Am Ende des Rundweges steht malerisch ein Industriedenkmal, eine liebevoll restaurierte Pferdekopfpumpe. Wer weiß schon, dass im hessischen Ried Erdöl gefördert wurde, so auch auf dem Kühkopf – mit dieser Maschine. Insgesamt 47 Bohrungen wurden abgeteuft und zwischen 1952 und 1994 knapp eine Million Tonnen Öl gefördert. Es war eine herrliche, abwechslungsreiche Tour durch ein seltenes Stück Natur, voll überwältigender Eindrücke ohne Schnaken, bei schönsten „Naßwetter“, konstatierte bei der Schlussrast Gisela Maisack und bedankte sich beim Wanderführer Erwin Naß für die perfekte Vorbereitung und Durchführung. Gleichzeitig erinnerte sie an die Wanderung an die Bustour in die Pfalz am 16. Juni mit Gisela und Horst Maisack und an die Mehrtagestour im Weserbergland vom 10. bis 15. Oktober. ![]() ![]() |