Rhein-Neckar-Zeitung vom 31.1.2011
„Sinn des Wanderns ist es, unterwegs zu sein“
Der Odenwaldklub Großsachsen startete gestern in sein Jubiläumsjahr – Seit genau 100 Jahren geht es hinaus in die Natur
Von Karin Katzenberger-RufHirschberg-Großsachsen. „Ich habe mir schon mal Ihren Wanderplan für 2011 angesehen. Nutzen Sie das Angebot – und sagen Sie es weiter.“ Mit dieser Aufforderung stieß Karl Ohlemüller, Vorsitzender des Gesamt-Odenwaldklubs, beim Empfang im Rathaus auf offene Ohren. Dort startete der Ortsverein Großsachsen gestern in sein 100. Jubiläumsjahr. Laut Ohlemüller geht es nun darum, die bereits vor 129 Jahren geborene Idee „OWK“ weiter zu tragen. „Wir haben hier eine wunderbare Landschaft und eine reiche Kulturgeschichte“, so der Gesamtvorsitzende. Ein Rezept dafür, wie man die jüngere Generation zur Mitgliedschaft im Odenwaldklub bewegen könnte, hat er allerdings nicht. Vielleicht trägt die Internet-Präsenz dazu bei?
In seiner Festansprache zeigte sich Bürgermeister Manuel Just davon beeindruckt, dass auf der Homepage des Klubs unter anderem Höhenprofile abrufbar seien. Seiner Meinung nach würden jüngere Leute sicher auch die Geselligkeit zu schätzen wissen, wenn sie das Vereinsleben erst einmal näher kennenlernen würden. „Geselligkeit ist die Basis für Zufriedenheit“, so seine Überzeugung. Das Wandern sei übrigens eine nicht zu unterschätzende Wirtschaftskraft. Demnach geben die Deutschen pro Jahr rund 7,5 Milliarden Euro für die entsprechende Freizeitbekleidung, Übernachtungen und Einkehr aus. Als Ehrengabe der Gemeinde überreichte der Bürgermeister zum Jubiläum einen Betrag in Höhe von 500 Euro.
Sein besonderer Gruß galt dem Ehrenvorsitzenden Erwin Naß, der den Klub von 1975 bis 2005 leitete. Schon im August 1955 fand laut Chronik die erste gemeinsame Wanderung mit dem OWK Leutershausen statt. „Da waren die Klubs der politischen Vereinigung als Verbandsgemeinde 20 Jahre voraus“, lächelte der Bürgermeister. Aus der Festschrift des Odenwaldklubs Großsachsen übernahm er ein Zitat des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, das da lautet: „Der Sinn des Reisens ist es, ans Ziel zu kommen. Der Sinn des Wanderns ist es, unterwegs zu sein.“
Das kann Manuel Just sehr gut nachvollziehen. Gerade in einem immer hektischer werdenden, hochtechnisierten Alltag werde der Ausgleich dazu in der freien Natur immer wichtiger. Wer dort unterwegs sei, entdecke auch scheinbar Banales am Wegesrand als „Gabe Gottes“.
Den Segen erhielt der Odenwaldklub Großsachsen von Pfarrerin Simone Britsch. Und weil man Gott um alles bitten kann, lautete eine der Fürbitten „Er erfülle Eure Füße mit Leichtigkeit und Eure Beine mit Kraft.“
Vereinsvorsitzender Alfons Scheffold beschränkte sich beim Empfang im Rathaus auf die Begrüßung der Gäste. In seinem Beitrag in der Festschrift gibt er allerdings unter anderem eine „Nüchterne Analyse“ wieder. Demnach haben die Menschen heute so viele individuelle Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, dass das Grundbedürfnis nach Geborgenheit in der Gemeinschaft zweitrangig geworden ist. Es gebe auch keine wirtschaftliche Not mehr, die zum „Zusammenrücken“ zwinge. Allerdings steige die Zahl Alleinlebender an. Und dies nicht erst im hohen Alter.
Über diese Personengruppe schreibt Alfons Scheffold: „Diesen Menschen kann der Odenwaldklub viel bieten, gesund erhaltende Bewegung im Freien , spannend und professionell geführte Wanderungen, eine Gemeinschaft zum Wohlfühlen und vielleicht eine interessante Herausforderung im Management des Vereins.“ „Gäste sind immer herzlich willkommen“ heißt es auf dem Terminplan, in dem auch die Mehrtagestouren aufgeführt sind.