Karin Katzenberger-Ruf schreibt in der RNZ vom 29. November 2011
"Wir sind eine große, glückliche Familie"
Odenwaldklub Großsachsen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festabend.
"Alt, aber nicht altbacken"
Gottes Segen dürften die Mitglieder des Odenwaldklubs (OWK) Großsachsen schon Anfang des Jahres erhalten haben. "Er erfülle eure Füße mit Leichtigkeit und eure Beine mit Kraft" lautete beim damaligen Jubiläumsempfang im Rathaus die Bitte von Pfarrerin Simone Britsch. Jetzt feierte der Verein mit einem Festabend im evangelischen Gemeindehaus sein 100-jähriges Bestehen.
Der Odenwaldklub sei "alt, aber nicht altbacken", so der Bezirksvorsitzende Lothar Lülf in seinem Grußwort. Als Geburtstagsgeschenk überreichte er einen Scheck als "Wegzehrung für das nächste Jahrhundert". Mit traditionellen Wanderliedern hatten zuvor die Sänger vom örtlichen MGV Sängerbund den Abend eröffnet. Das Lied, in dem von einem "Wirtshaus im Odenwald" die Rede war griff Mundartdichter Paul Tremmel in seinem Vortrag auf. Demnach gibt's im Pfälzerwald nicht nur eines sondern Hunderte davon. Der inzwischen 82-jährige Tremmel erzählte von seiner Kindheit und den Wanderungen mit dem Großvater, als die Wegzehrung seinen Worten nach aus "Worschdebrod un Brunnewasser" bestand und die Einkehr in eine Hütte eher die Ausnahme war.
Und wie sah die Welt aus, als der Odenwaldklub Großsachsen gegründet wurde? Da war das Kaiserreich gerade 30 Jahre alt, galt die Titanic noch als unsinkbar und der Tango als anstößig. Diese Vergleiche zog der Vereinsvorsitzende Alfons Scheffold in seiner Ansprache. Wie andere Vereine auch habe der Odenwaldklub Höhen und Tiefen durchlebt. Vor allem durch die beiden Weltkriege. Während des Wirtschaftswunders erlebte das Wandern dann offenbar ebenfalls einen Aufschwung. Als "die besten Jahre" des Vereins beschrieb Alfons die Entwicklung nach 1953. In einem Jahrhundert ist er selbst erst der sechste Vorsitzende, was für jeweils lange Amtsperioden spricht. Während der Ära seines Vorgängers Erwin Naß, der den Verein rund 30 Jahre lang, nämlich von 1976 bis 2005 geprägt habe, sei gut die Hälfte der heutigen Mitglieder eingetreten.

"Wir sind eine große, ziemlich glückliche Familie", so Scheffold über den Verein, dem heute um die hundert Männer und Frauen angehören. Natürlich habe der OWK bezüglich seines Altersdurchschnitts inzwischen graue Schläfen. Dies könne man aber auch als Zeichen von Weisheit und Zufriedenheit mit dem Machbaren deuten. Oder wäre vielleicht doch eine sprachliche Verjüngungskur angebracht, um die Jugend anzulocken? Wandern könnte dann "natural walking together" heißen und die Schlußrast "final repose", so Scheffold. Mit Weinliedern und einem Wiener Potpourri sorgte das Trio Rolf Krämer und Martin Morast (Gesang) sowie Georg Metz (Klavier) für musikalische Unterhaltung.
Doch die Mitglieder des Odenwaldklubs sind auch selbst stimmlich gut drauf und sangen voller Inbrunst das Lied "Wer recht in Freuden wandern will". Dort geht der Wanderer "der Sonn entgegen" und findet sich in einem Wald wieder, der als "kirchenstill" beschrieben wird.