Auf den Spuren der Badischen Revolution 1848/49
mit Felicitas und Gerhard Köhnlein
Von der Fußgängerbrücke am Rosenbrunnen blickten sie auf die Stelle, an der am 3. September 1848 Mannheimer Demokraten gemeinsam mit Weinheimer Gesinnungsgenossen, wie der Gastwirt Härter, Mühlenbesitzer Fuchs, und Diesbach die Eisenbahngleise der Main-Neckar-Bahn heraus rissen. Der leere Zug, der preußische Truppen nach Baden holen sollte, entgleiste. Zu Schaden kam niemand. Doch wurde über den Amtsbezirk Weinheim der Kriegszustand verhängt und die Bahn forderte 8.540 Gulden Schadensersatz.
Die Wanderer aus Großsachsen zogen weiter zu der Stelle, an der bis 1967 das Amtsgefängnis, im Volksmund „Heck“ genannt nach dem Gefängnisaufseher Heck. Hier und im naheliegenden Roten Turm saßen die Revolutionäre in Untersuchungshaft, auch Johann Friedrich Diesbach. Dieser emigrierte später in die Schweiz. Sein Sohn folgte nach, erlernte das Druckerhandwerk und gründete in Weinheim eine Druckerei.
In der Müllheimer Talstraße stand die „Gartenhalle zur Burg Windeck“ des „gefährlichen Wühlers“ Friedrich Härter, gegenüber dem späteren Gasthaus. Weinheimer Bürger hatten 1843 den berühmten politischen Flüchtling Hoffmann von Fallersleben hierher eingeladen. Seine Forderung „Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland“ hatte ihn 1842 um seine berufliche Stellung gebracht und ins Wanderleben getrieben. In seinem Tagebuch beschrieb er begeistert seinen Besuch in Weinheim.
Weiter wanderten die Besucher durchs „Steinbüchsle“. Auf dem Gelände der alten Lohmühle ist ein gepflegter, fast hygienisch sauberer Stadtteil entstanden.
In der Gerbergasse steht das Geburtshaus des protestantischen Pfarrers Georg Friedrich Schlatter, Mitglied der „oppositionellen Weinheimer Gesellschaft“, weshalb er nach Mühlbach bei Eppingen straf-versetzt wurde. Er war Mitglied und Alterspräsident im Badischen Revolutionsparlament, das immerhin zwei Jahre lang bestand. Schließlich aber verschwand er für über sechs Jahre im Zuchthaus. Er verlor sein Kirchenamt, kritisierte in seinem Werk „Kerkerblüten“ die Einzelhaft und wurde erneut verurteilt. Seine Familie – er hatte 17 Kinder – lebte in großer Not, wen wundert dass!
Auf dem alten Friedhof in Weinheim erinnern Gedenksteine für die Gefallenen der hessischen Interventionstruppen und der Grabstein des Gastwirts Friedrich Härter an die Revolutionsjahre. Diesem bescheinigte ein Leumundszeugnis, dass „ihm durch politische Aufhetzer der Kopf verdreht worden sei, er sich der Kirche entfremdet habe und an der Spitze der aufrührerischen Bewegung gestanden sei“.
Neben Weinheim waren vor allem Hemsbach und Großsachsen am Widerstand beteiligt. Die Großsachsener Bauern forderten die Ablösung des Zehnten und strebten sogar einen Prozess gegen den Grundherren an. Im März 1848 zog eine Abordnung nach Leutershausen um sich mit dem Grafen Wiser außergerichtlich zu einigen. Schnell verbreitete sich im Dorf das Gerücht, die Großsachsener hätten das Schloss gestürmt - und die Leutershausener zogen bewaffnet zum Schloss. Der Graf aber verhalf der Abordnung aus Großsachsen zur Flucht und verhinderte so eine Eskalation. Tags darauf wurde die Ablösesumme ausgehandelt.
Im Jahr darauf besetzte eine preußische Brigade beide Orte. (Die Bundesarmee, zu der die Brigade gehörte, stand unter Befehl des Kronprinzen Wilhelm und späteren Deutschen Kaiser. Wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Revolution in Berlin bekam er den Beinamen „Kartätschenprinz“.) Tags darauf kam die Revolutionsarmee, eine weitere preußische Einheit und Revolutionäre aus Ladenburg. Es kam zur Schlacht.
Im Hotel Krone in Großsachsen, dem Ort der „Schlacht von Großsachsen“ fühlten sich die Wanderfreunde zurück versetzt in jene turbulente Zeit, bangten mit den Einwohnern, die damals alle in ihren Kellern die Schlacht überlebt hatten. In der alten Gaststube soll der Kronenwirt seine Töchter in Fässern versteckt haben. Heute ist in der Wand auf einem schwarz-rot-goldenen Wappenschild eine Kartätschenkugel eingelassen.
Der Vorsitzende Alfons Scheffold dankte den Wanderführern Felicitas und Gerhard Köhnlein für die interessante Lehrstunde in Heimatgeschichte und verwies auf den nächsten Termin am 24. März im Naturschutzgebiet Dossenwald mit Oskar Röder.