Wanderung auf dem Biedensand und Besichtigung Kloster Lorsch

mit Felicitas Gärtig

Die Septemberwanderung führte die Wanderer des OWK Großsachsen am 16.September auf den Biedensand bei Lampertheim. An der Brücke über den Altrhein trafen die Teilnehmer auf Frau Hartkorn und Herrn Melchior vom NABU Lampertheim, die sich freundlicherweise bereit erklärt hatten, uns zu begleiten und uns viele interessante Informationen gaben. An einer Tafel ist die Entstehung der Insel Biedensand dargestellt. Noch im 18. Jahrhundert lagen der heutige Biedensand und die angrenzende Bonnaue auf einer linksrheinischen Halbinsel. Im Jahre 1802 „brach der Rhein den Biedensand entzwei“, d.h. der Rhein durchbrach bei einem Hochwasser die Halbinsel und der dabei entstehende Rallengraben trennte den Biedensand, der dadurch zur Insel wurde, von der angrenzenden Bonnaue.  
Durch die Maßnahmen zur Rheinbegradigung in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde das Flussbett des Rheins dann etwa 1 km weiter nach Westen verlegt, die  Rheinschlinge um den Biedensand wurde zum Altrhein und der Biedensand und die  Bonnaue liegen seitdem rechtsrheinisch. Seit 1937 steht der Biedensand unter Naturschutz und ist die Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten. Zur Altrheinschlinge und zum Rallengraben hin ist er von Auwald umgeben, das Innere besteht aus Wiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Der Weg der Wanderer führte zunächst durch den Auwald am südlichen Teil des Altrheins, dem Heegwasser. Ein Auwald kann über einen Zeitraum von mehreren Wochen überflutet werden, dementsprechend unterscheidet man zwischen der Weichholzaue in Ufernähe und der Hartholzaue in größerer Entfernung vom Ufer. Die Weichholzaue besteht aus Gehölzen, die eine längere Überflutung überstehen, z.B. Weiden und Pappeln, in der  Hartholzaue leben Arten, die nur kürzere Überflutungen tolerieren, z.B. Stieleichen, Weißdorn und Ulmen. Auch wilden Hopfen konnte man finden. Bei der Wanderung durch den Auwald fühlte man sich in einen Urwald versetzt.

Der Weg führte dann weiter über Auwiesen, auf denen bereits die Herbstzeitlose in großen Flächen blühte, zu einer großen Streuobstwiese und schließlich zum Aussichtspunkt am Rallengraben, dem  Rheindurchbruch, wo man auf ein riesiges Schilfgebiet schaut.

Vorbei am Rastplatz „Kleeblatthäuschen“ ging es dann nach Norden zur Jägerbrücke, die den Biedensand mit der Bonnaue verbindet. Nach einem kurzen Abstecher auf die Bonnaue mit ihren bizarren Kopfweiden, die einen idealen Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse bieten, führte der Weg weiter zum Aussichtspunkt am Welschen Loch. Dabei handelt es sich um einen flachen See am nördlichen Ende des Rheindurchbruchs. Hier leben zahlreiche Wasservogelarten, auch Kormorane gibt es hier.  

Nach dem Rückweg durch den Auwald am nördlichen Altrhein hatten sich die Wanderer das Mittagessen im „Fährhaus “ am Ausgangspunkt der Wanderung verdient.

 

Nach dem Mittagessen ging es mit den PKWs weiter nach Lorsch zur ehemaligen Klosteranlage. Im Rahmen einer Führung erhielten die Teilnehmer im Museum zunächst einen Einblick in die Bedeutung des Klosters im frühen Mittelalter. Zum Besitz des 764 gegründeten Benediktinerklosters gehörten schon früh Ländereien von der holländischen Nordseeküste bis zum Alpenrand, die im Lorscher Codex verzeichnet sind. Lorsch wurde bald nach der Gründung unter Karl dem Großen zum Königskloster, das. heißt, es war direkt dem König unterstellt. Karl der Große selbst war bei der Weihe der Klosterbasilika anwesend. Die kulturgeschichtliche Bedeutung des Klosters liegt in der schon im 8. Jahrhundert begründeten Bibliothek und dem Skriptorium. Bedeutende Werke sind das Lorscher Evangeliar, das sich heute zum Teil in den vatikanischen Museen befindet und das Lorscher Arzneibuch. Aus beiden Werken sind Abbildungen im Klostermuseum zu sehen. Die Klosteranlage selbst wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und die Ruinen als Baumaterial verwendet. Erhalten ist nur noch ein großer Teil der Klostermauer. ein Teil der St. Nazarius-Basilika und die Königshalle, eines der wenigen vollständig erhaltenen Baudenkmäler aus der Zeit der Karolinger. Man erhält jedoch auf dem Klostergelände einen Eindruck von der gewaltigen Ausdehnung der Klosteranlage.

Nach einem erlebnisreichen Tag mit vielen Eindrücken kehrten wir zurück nach Großsachsen.

Gärtig, Felicitas