Blick in einen tropischen Regenwald

OWK Großsachen besucht die Grube Messel

 

Der erste Blick vom Rand in die Grube Messel enttäuschte die Wandergruppe vom OWK Großsachen zunächst. Die Diplom-Geologin Janin Treusch hatte sie zu einer Grubenführung begrüßt und erklärte zunächst, dass es sich immer noch um einen Bergbaubetrieb handle und die helle Färbung am Hang von Gasbetonabfällen  herrühre, die in die vorgesehene Mülldeponie gekippt worden waren.

 

Anfangs wurde hier Raseneisenerz, dann Braunkohle und schließlich Ölschiefer abgebaut. Als sich dies nicht mehr lohnte, sollte das Loch mit Müll aufgefüllt werden. Umweltverbände, Bürgerinitiativen und private Fossiliensammler wehrten sich vehement dagegen. Letztere hatten bereits spektakuläre Funde geborgen, so dass schließlich auch die Wissenschaft aufmerksam wurde. Heute arbeiten hier Mitarbeiter des Forschungsinstituts Senckenberg.

 

Aufmerksame Zuhörer                                                                                      Foto: Borrmann


Nach sechzig Metern Abstieg erreichten die Wanderer die Sohle mit mehreren Feldern, auf denen der Ölschiefer heraus gesägt und auf fossile Einschlüsse untersucht wird. Staunend blickten sie in die Welt des einstigen Maarsees inmitten eines tropischen Regenwaldes, als ihnen Treusch Bilder und Kopien der Reste einstiger Bewohner zeigte, wie einen Käfer dessen Flügel noch bunt schillern, Fledermäuse, Krokodile und viele andere Reptilien, Ida, das den modernen Lemuren verwandte Affenmädchen, ein Tapir und sein Vetter, das berühmte Urpferdchen – es hatte noch drei Zehen. Auf über sechzig Exemplare ist die ausgegrabene Herde inzwischen angewachsen und jedes Jahr kommen einige dazu.


Mit lautem Geschrei beschwerten sich einige Graugänse über die Ruhestörung – das Leben hat in der Grube wieder Fuß gefasst.


Im Zentrum der Sohle ist eine Bohrung auf 433 Meter in magmatisches Gestein nieder gebracht worden – Beweis für den vulkanischen Ursprung des Kraters vor 48 Mio. Jahren. Eineinhalb Mio. Jahre hat es dann gedauert, bis der Schlund aufgefüllt war. Heute steht in dem Bohrloch eine Wassersäule unter hohem Druck. Öffnete man das Rohr ganz, würde ein artesischer Brunnen viele Meter hoch sprudeln. Die Wanderfreunde durften das Wasser testen. Es riecht nach faulen Eiern, schmeckt etwas schal und soll etwa 8000 Jahre alt sein. So viel Zeit vergeht, bis es durch den Ölschiefer gesickert ist.


Die Besucher waren beeindruckt von diesem Naturdenkmal in der Liste des UNESCO-Welterbes und spendeten der charmanten, kompetenten Führerin zum Abschied dankbar den verdienten Applaus. Schließlich bedankte sich die Vorsitzende Felicitas Gärtig bei Alfons Scheffold für die Organisation des Tages.