Von Wilhelmsfeld zur Abtei Neuburg am 22. Oktober
mit Antonie und Eugen Stadler
Die Wanderfreunde verließen in Wilhelmsfeld den Bus und wanderten durch den lichten Mischwald zum Weißen Stein. Verträumt schöne Ausblicke öffneten sich über die herbstlich bunten Rücken des vorderen Odenwaldes, über Ursenbach und Wilhelmsfeld mit dem Teltschikturm bis zum Eichelberg. Nein, keine Kaffeepause am Weißen Stein! Die Wanderführer Antonie und Eugen Stadler waren unerbittlich. Weiter führte der Weg durch die frische Waldluft über die „Hohe Straße“ vorbei an der Kreuzung „Rauhe Buche“ in 515 Metern Meereshöhe. Nachdem der Weiße Stein noch auf kristallinem Grund steht, ist der Wegweiser hier aus Sandstein.
Eine Absperrung „Waldarbeiten“ stoppte die Wandergruppe. „Vor wenigen Tagen bei der Vortour gabs die noch nicht! Und am Samstag arbeitet hier auch keiner.“ Abenteuerlustig zog der Trupp weiter. Und doch, nach einigen hundert Metern versperrten mächtige Stämme und dichtes Geäst wüst durch- und übereinander gestürzt den Pfad. Mutig kletterten die Wanderer aus Großsachsen durch das Chaos. Dann ging es bergab zur Kreuzgrundhütte. Die Naturfreunde Heidelberg hatten das Blockhaus, nachdem es nicht mehr für den Forst als Lager und Aufenthaltsraum für Waldarbeiter genutzt wurde, 1990 übernommen. Tische und Bänke nebenan laden zum Picknick im Wald. Kinder einer Familiengruppe erforschten schreiend oder auch andächtig neugierig - je nach Temperament – die ungewohnte Umgebung. Eine freundliche Hüttenbesatzung bot Hühnersuppe, Kaffee, Tee und auch Wein und die Besucher von der Bergstraße nutzten das Angebot, packten ihre Stullen aus und genossen die überraschende Gastfreundschaft. Bald war der Waldrand erreicht und das Auge schweifte ungehindert über die bunten Hänge des Neckartales, über den Fluss, über Ziegelhausen und Schlierbach. Auf dem Friedhof am Weg sollen die Toten stehend begraben sein, damit sie die Schlossbeleuchtung besser sehen - so die makabere Erklärung. Eine steife, fast kalte Brise schlug den Wanderern ins Gesicht, als sie über einen sanften Hügel südostwärts dem Südzipfel Ziegelhausens zustrebte. Ein zweites Mal war die geologische Grenze überquert: Am Wegrand finden sich Granitfelsen.
Prächtige Villen und PS-starke Luxus-Geländewagen bezeugen die Exklusivität der Südhanglage, 80 Meter überm Neckar. Und die Wanderfreunde mutmaßten, dass die Zahl der Treppenlifte durch die steilen Vorgärten wohl zunehmen wird. Am Straßenrand steht eine Rarität, ein Mispelbaum, der essbare Früchte trägt und im Mittelalter in Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet war. Durch Streuobstwiesen führt der Weg zur Abtei Neuburg, Niwenburg um 1130 Filialgründung des Klosters Lorsch. Mehrere Ordensgemeinschaften haben das Kloster im Laufe der Jahrhunderte betrieben; heute sind es Benediktiner. Den dicken Mauern und mächtigen Ecktürmen nach wussten sich die frommen Männer durchaus zu wehren. Heute beherrschen die ausladenden landwirtschaftlichen Anlagen das Bild. Und in der Gaststätte tummeln sich Sonntagsausflügler, Touristen und Wanderer. Auch die Gruppe aus Großsachsen kehrte hier zur Schlussrast ein und der Vorsitzende bedankte sich bei den Wanderführern für die wunderschöne und abwechslungsreiche Tour.